06 Jul

Anspruch und Wirklichkeit: Warum ein echter Green Bond eine Herausforderung ist

Green Bonds sind eine moderne und absolut zeitgemäße Form der Geldanlage, denn darin verbergen sich bekannte Kapitalmarktmechanismen einerseits sowie innovative und nachhaltige Themenschwerpunkte andererseits. Anleihen sind seit jeher fester Bestandteil einer diversifizierten Anlage- und Portfoliostrategie. Neu ist dagegen, dass die grünen und nachhaltigen Themen und Inhalte jetzt in den Vordergrund dieser Anlageform rücken.

Dieser Artikel von Bernhard Engl, geschäftsführendem Gesellschafter der ForestFinance Capital GmbH, erschien zunächst im BondGuide – Newsletter.

Green Bonds haben jedoch mit dem Image von nachhaltigen Anlagen zu kämpfen – es erscheint vielen Marktteilnehmern noch immer etwas unheimlich, wenn mit ökologisch ausgerichteten oder nachhaltig adressierenden Angeboten eine gute Rendite erwirtschaftet werden kann.

Dem steht unterstützend gegenüber, dass der Zeitgeist, begünstigt durch die Pandemie, das wachsende Bewusstsein für ökosoziale Fragen und Bewegungen wie „Fridays for Future“, die Idee von nachhaltigen Investments schlicht gut findet, sogar sympathisch. Leider nutzen einige Anbieter diese Grundsympathie aus und versorgen ihre Angebote mit einem „grünen Anstrich“: Da wird geworben mit gut klingenden Werbeaussagen, die umweltfreundlich und nachhaltig sein sollen, während gleichermaßen die negativen Auswirkungen auf das Gesamtsystem klein geredet oder sogar verschwiegen werden. Wenn das geschieht, wird eine ganze Anlageklasse in Mitleidenschaft gezogen.


Leuchttürme und „grüne Anstreicher“

Genau hinsehen ist also wichtiger denn je, damit Leuchttürme Platz zum Strahlen bekommen und „grüne Anstreicher“ keine Chance erhalten. Das ist alles andere als simpel, aber es lohnt sich. Und wir wissen, was das heißt – mit unserem ersten Green Bond haben wir nämlich genau diesen mühsamen Prozess durchlebt. Auch wir mussten abwägen, analysieren und hinterfragen. Wir haben aber auch erlebt: Es lohnt sich, denn es gibt gute Projekte mit attraktiven Ertragspotenzialen. Und wenn man diese dann gut mischt und ein ausgewogenes Portfolio zusammenstellt, das regionale Risiken und unterschiedliche Projektcluster berücksichtigt, dann ist ein Green Bond, der seinen Namen verdient, eine absolut konkurrenzfähige Konstruktion.

Wir haben aber auch gelernt: In der Beschreibung des Angebots ist es zwingend notwendig, die Wahrheit über das Produkt in aller Klarheit zu formulieren. Dazu gehört, offen über vorhandene Risiken zu sprechen und nicht nur die
Chancen zu benennen; dazu gehört ebenso, verständlich zu erläutern, damit die Inhalte des Projekts klar und transparent vermittelt werden. Das ist eigentlich auch nicht wirklich ungewöhnlich, wenn man sein Geschäft mit der Sorgfalt eines ordentlichen Kaufmanns betreibt.

Taxonomie und der europäische Wert von Nachhaltigkeit

Angesichts der sich verändernden Rahmenbedingungen im europäischen Markt ist die Präsenz von nachhaltigen Geldanlagen keine Überraschung. Schon lange arbeitet die EU an einem Regelungswerk. Neu ist möglicherweise das
Tempo, mit dem auf europäischer Ebene vorgegangen wird. Dabei arbeiten die Gremien schon lange Zeit vor dem berühmten „Green Deal“ der EU-Kommission für eine europäische Neuordnung auch der Finanzthemen. Inzwischen wurde die Taxonomie verabschiedet und das europäische Rahmenwerk ist auf dem Weg. Es werden noch zahlreiche Entwicklungen folgen. Schon jetzt ist aber klar: Die alten Zeiten sind vorbei. Jedes Finanzprodukt, jegliche Art von Anlageberatung muss das Thema der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Alle Marktteilnehmer müssen daher reagieren und sich anpassen. Finanzprodukte müssen „per se“ grüner werden – und zwar nicht nur wegen der wachsenden Vorschriften, sondern vor allem auch, weil die Märkte nachhaltige Produkte suchen und immer konsequenter beginnen, Ausschlüsse zu definieren.

Das wird insbesondere dann sichtbar, wenn man betrachtet, wie staatliche Fonds ihre Investitionsquoten verändern oder welche Veränderungen im Bereich der Stiftungen und Family Offices stattfinden. In diesem Zusammenhang fällt beispielsweise immer häufiger der Begriff des „Impact Investing“, der schon in der Konzeption die Erwartung weckt, dass mit dem investierten Geld nicht nur monetäre Renditen erwirtschaftet werden, sondern auch eine Wirkung erzielt wird – für Natur, für Gesellschaft, für Mensch oder Tier.

Grüne Geldanlagen sind schon lange aus dem Bereich der „guten Idee“ herausgewachsen. Es reicht daher auch nicht mehr, die gestrigen Konzepte grün anzustreichen – es braucht neue Konzepte und erkennbar nachhaltige Lösungen. Anleger fordern sie.

Green Bond – kein Nachahmer-Produkt


Der Bedarf ist also vorhanden und der Markt reagiert erwartungsgemäß schnell. Jede Menge scheinbar grüner Produkte kommen daher; die meisten verdienen den Namen nicht. Leider ist es für den Anleger auf den ersten Blick kaum erkennbar, welcher grüne Schein den Namen verdient und mit welchen Angeboten tatsächlich eine Wirkung erzielt wird. Nun lässt es sich kaum verhindern, dass viele Anbieter versuchen, diesem Trend zu folgen. Schon heute ist erkennbar: Der Markt ist voller Nachahmer-Produkte. Leichter wird es für den Investor dadurch aber nicht.

Auch ohne Regulierung wissen wir alle, dass wir uns mitten in einer menschengemachten Klima- und Biodiversitätskrise befinden. Und es gibt nur einen Weg hinaus: Verantwortung übernehmen sowie gute Produkte, Unternehmen und Projekte fördern – Projekte mit Wirkung für Umwelt, Klima und Gesellschaft. Mit der gleichen Klarheit muss der Markt gegen jedes Greenwashing vorgehen, denn Vertrauen entsteht nur, wenn das Segment der Green Bonds transparent und konsequent die schwarzen Schafe aussiebt. „The Trend is your friend“ – Green Bonds sind deshalb genau richtig für unsere Zeit, weil der Zeitgeist getroffen und in der Phase eines gesteigerten Umwelt- und Ökologiebewusstseins auch das internationale Regelwerk angepasst wird.

Nachhaltigkeit als Rentabilitätsbringer

Der Dreiklang der Nachhaltigkeit umfasst neben den ökologischen Aspekten auch die Komponenten des sozialen
Impacts sowie der ökonomischen Säule. Die Zeiten, in denen ökologische Konzepte von vornherein eine geschmälerte Rendite ergaben, sind längst vorbei. Zahllose Beispiele haben bereits bewiesen, dass nachhaltig und ökologisch ebenso rentabel sein können. Herausgeber von Finanzprodukten müssen sich Gedanken machen, was sie fördern wollen und was gerade nicht mehr. Und wer da genau hinsieht, hat eine große Auswahl: Unzählige clevere Geschäftsideen, zum Teil auch „made in Germany“, warten auf ihre Chance. Es gibt genug Innovation, es gibt genug Geld. Wir müssen es nur schaffen, dass das vorhandene Geld in die richtigen Projekte investiert.

Handeln an der Börse vs. Direktinvestments

Die ForestFinance Gruppe verfügt über 25 Jahre Erfahrung in der Entwicklungund Durchführung von Direktinvestments in Forst- und Agroforstprojekten. Immer wieder wurde der Wunsch von Kundenseite an uns herangetragen, ein Produkt zu schaffen, welches handelbar ist und weniger „exotisch“ als die Direktinvestments, die aus Gründen der besseren Wachstums- und Klimabedingungen vorwiegend in den Tropen realisiert werden. Außerdem begründeten viele das Unternehmen freundlich begleitende Kunden ihre Zurückhaltung damit, dass die naturgemäß lange Anlagedauer für die meisten Angebote einen Hinderungsgrund darstellte. Nicht alle Interessenten waren nbereit, ihr Investment bis zu 25 Jahre ununterbrochen in ein Projekt zu tätigen. Anleihen als solche sind für diese Kunden einen ideale Lösung, denn mit der Handelbarkeit an der Börse werden Zugangsbarrieren abgebaut und die Projekte näher an die Kunden gebracht.

Was im ForestFinance Green Bond 2020/30 steckt

Mit der Entwicklung des ForestFinance Green Bond 2020/30 wurde die nachhaltige Konzeption früherer Projekte beibehalten und in ein modernes Gewand gehüllt. Dazu ermöglicht der Green Bond die Chance, mit seinem Gesamtvolumen verschiedene Projekte zu bündeln, sodass Länderrisiken verteilt und verschiedene Wirtschaftsbereiche zusammen eine gute Lösung ergeben. In dem nun angebotenen Green Bond stecken das Potenzial von Agroforst in Panama und Marokko, innovative Technologie zum Klimaschutz in Deutschland, Panama und Kolumbien sowie ein Entwicklungsprojekt für Verpackungen von flüssigen Lebensmitteln, das von Deutschland aus seinen erfolgreichen Weg in die Welt gehen wird. Insgesamt sieben Projekte, jedes einzelne erfüllt mindestens eines der SDGs, stellen ein breites Angebotsportfolio für die konzipierten zehn Jahre dar – und das alles mit einer attraktiven, aber nicht überambitionierten Verzinsung von 5,1% p.a.

Externe Bewertung durch imug | rating

Nun müssen neutrale Beobachter die Begeisterung für das eigene Produkt nicht zwangsläufig teilen. In einer Second Party Opinion durch die NachhaltigkeitsRatingagentur imug | rating in Kooperation mit V.E (Vigeo Eiris) wurden von externer Stelle die Nachhaltigkeitsziele der finanzierten Projekte und die Übereinstimmung mit den Green Bond Principles (GBP) überprüft. So können Anleger sicher sein, dass die gewünschten Effekte auch im Konzept vorgesehen sind. Wenn jedes Angebot im Bereich der Green Bonds einer solchen Überprüfung standhält, wird es weniger Greenwashing geben. Auch das schließt selbstverständlich Risiken nicht aus, aber es schützt doch vor grünem Anstrich und oberflächlichen Konzepten. Es ist eine ideale Kombination, wenn das vorhandene Kapital dort allokiert wird, wo Natur, Klima, Ökologie und Biodiversität einen Vorteil erhalten. Die Zeit ist reif für gute und ehrliche Angebote. So trägt Kapital zu einer besseren Zukunft bei – mit Rendite. Und so führen Green Bonds zu einer Win-win-Situation.