19 Okt

Kohle fürs Klima: die carbonauten im Interview

Über 850.000 Tonnen Grill-Holzkohle nutzen wir Europäer im Jahr. Um eine Tonne Grillkohle herzustellen werden zwischen drei und zwölf Tonnen Holz benötigt, das oft aus illegaler Rodung in den Tropen stammt. Es geht auch umweltfreundlich – mit Kohle aus Schadholz aus deutschen Wäldern oder Holzresten der Industrie. Damit lässt sich gleichzeitig Strom erzeugen: Bei der von der carbonauten GmbH verwendeten Technik werden sämtliche Gase abgetrennt und zur Erzeugung regenerativer Energie verwendet. Wir haben das Führungsduo der carbonauten gefragt, wie das genau funktioniert.

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Die Gründer der carbonauten: Geschäftsführer Torsten Becker (links) und Christoph Hiemer, Leiter Standort- und Projektentwicklung. Foto: carbonauten

Was ist Ihr beruflicher Hintergrund als Gründer und Geschäftsführer der carbonauten?

Ich bin Dipl.-Produktdesigner (FH) und war 25 Jahre Inhaber einer Agentur für B-to-B Design und Kommunikation. Meine Leidenschaft ist schon immer Neues gewesen, insbesondere Materialien faszinieren mich.

Mit Ihrer Technik kann Biomasse karbonisiert werden – dabei wird gleichzeitig Energie gewonnen. Wie funktioniert das?

Holzige Biomasse enthält Energie. Wird diese in sauerstofffreier Umgebung erhitzt, entsteht ab 200° C ein sogenanntes Pyrolysegas. Dieses entspricht einem schwachen Erdgas. Dieses ziehen wir ab und nutzen es mittels eines Brenners für die Beheizung der Biomasse. Da mehr Pyrolysegas erzeugt wird, als wir für die Karbonisierung brauchen, entsteht der Energieüberschuss. Bei der Karbonisierung entsteht zudem aus den Teeren des Biomasse sogenanntes Pyrolyseöl. Diese hat einen Heizwert vergleichbar mit Erdöl und kann den Energieüberschuss noch erhöhen. Je Karbonisierungsmodul liefern Pyrolysegas rund 850 kW und Pyrolyseöl etwa 150 kW, was zusammen die rund 1 MW thermische Leistung ergibt.

Wie sind Sie auf diese Geschäftsidee gekommen?

Die Ur-Idee hatte mein Freund und Co-Gründer Christoph Hiemer. Ihn habe ich 2013 in meiner Agentur kennengelernt. Er plante damals einen Produktionsstandort für Biokohlenstoffe mit einem ähnlichen Verfahren. Ich initiierte die Carbuna AG, die sich mit Biokohlenstoffen in der Landwirtschaft beschäftigt. Ende 2016 beschlossen Christoph und ich, die Erfahrungen zu nutzen und es selber zu tun. Christoph realisiert die Technologie, Energieerzeugung und die Standorte. Ich treibe die neuartigen Anwendungen von Biokohlenstoffen voran. Uns fasziniert die Speicherfähigkeit von drei Tonnen CO2 je Tonne Biokohlenstoff.

Welche Projektpartner sind mit an Bord?

Neben Andreas Jacob als strategischer Gesellschafter und Geschäftsführer eines Planungsbüros für Stadtentwicklung, freuen wir uns über die kongeniale Partnerschaft mit ForestFinance. Darüber hinaus haben wir in den letzten drei Jahren ein respektables Netzwerk an Forschungseinrichtungen, Industrieunternehmen, Energieversorgern, Initiativen und Institutionen geschaffen.

Welche Herausforderungen gab es bei der Umsetzung?

Die Beschaffung des erforderlichen Kapitals als Hardware-Start-up. Dies ist eine besondere und äußerst anstrengende Herausforderung in Deutschland. Und das, obwohl unser Wohlstand nach wie vor genau auf Unternehmen wie Siemens, Bosch, VOITH, den großen Automotives und vielen anderen KMU basiert, die alle mal so angefangen haben wie wir – mit einem Traum in einer Werkstatt oder Garage.

Zudem mussten wir für die Akzeptanz von Biokohle als CO2-Senker kämpfen, denn modifizierte Grillkohle ist auf den ersten Blick nicht sexy.

Woher stammt die Biomasse?

Es handelt sich immer um holzige Reste der Forst- und Landwirtschaft, Lebensmittel- und Holzindustrie, wie beispielsweise Schadholz aus dem Wald, Holzhackschnitzel, Schalen aller Nüsse, Bambus, Miskanthus, Grünschnitt, Landschaftspflegematerial, aber auch Altholz A1 bis A4. Die Vielfalt macht uns unabhängig von einzelnen Stoffströmen, zudem sind geeignete Biomassen weltweit verfügbar.

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Vielseitig verwendbar: Kohlenstoffgranulat. Foto: carbonauten

Wie wird der hergestellte Kohlenstoff anschließend verwendet?

Es gibt bekannte Anwendungen wie Aktivkohle, Futterkohle, Bodenhilfsstoff (Terra Preta) und Grillkohle. Unser zukünftiger Schwerpunkt sind aber die neuartigen Materialien daraus. Dazu kombinieren wir Biokohlenstoffe mit verschiedenen Bindern. Das eröffnet völlig neue Möglichkeiten und bringt die fossile Welt der Kunststoffe und Baumaterialien ins Wanken. Neben der CO2-Speicherung und -Reduzierung und neuen Eigenschaften sinken die Preise, da wir die Biokohlenstoffe sehr günstig herstellen. So schaffen wir eine auch wirtschaftlich nachhaltige Lösung für das Dilemma Umweltschutz und Profitabilität.

Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit ForestFinance?

Michael Sernatinger haben wir direkt nach seinem Studium für den internationalen Vertrieb engagiert. Er hatte die Idee, gut recherchiert und kalt bei ForestFinance angerufen.

Wo stehen Sie heute und was planen Sie davon ausgehend für die nächsten fünf Jahre?

Aktuell realisieren wir die Pilotanlage in Eberswalde. Parallel dazu entwickeln wir mit verschiedene Kombinationen von Biokohlenstoffen und Bindern wie biobasierten und fossilen Kunststoffen und Baustoffen. Zudem bereiten wir die nächsten Standorte in Deutschland und mit ForestFinance in Südamerika sowie mit chinesischen Partner in der Nähe von Shanghai vor. Auch das Thema grundlastfähige Energieerzeugung gewinnt an Bedeutung. Spannend ist auch die Rekarbonisierung – also Umwandlung in Kohlenstoffe – von Kunststoffen, erste Ergebnisse sind vielversprechend. Das ist perfektes C-to-C.

In den nächsten fünf Jahren werden wir Weltmarktführer hinsichtlich der Mengen und Qualitäten sowie bei industriellen Anwendungen von carbonauten OCM Organic Carbon Materials, die eine anerkannte NET sind. Um der Entwicklung Gewicht und Leuchtkraft zu geben, werden wir am Stammsitz das „Carbon Valley Europe“ realisieren. Hier werden Forschung und Entwicklung sowie Produktion und die industrielle Umsetzung vorangetrieben. Mittlerweile können wir große Unternehmen und Konzerne dafür begeistern, da wir ihnen eine Lösung für deren Carbon Capture Storage-Strategie bieten.

Wir haben des richtige Thema zur richtigen Zeit: minus CO2 – wenn nicht jetzt, wann dann?

15 Okt

ForestFinance Capital startet den Vertrieb für erste Öko-Anleihe

ForestFinance Capital

Pressemitteilung vom 15.10.2020

Bonn. Wie Mitte des Jahres angekündigt startet ForestFinance Capital ab sofort den Vertrieb des ForestFinance Green Bond 20/30 mit zehnjähriger Laufzeit und einer Verzinsung von 5,1%. „Diese Anleihe ist das erste grüne Kapitalmarktprojekt und wir freuen uns sehr, dass der Vertrieb jetzt losgehen kann“, freut sich ForestFinance Capital GmbH Geschäftsführer Bernhard Engl.

Nachhaltige Projekte und Wertschöpfungsketten
Alle Projekte, in die das Unternehmen investieren wird, liegen entlang der Wertschöpfungskette von natürlichen Rohstoffen. Aktuell sind das Holz und Biomasse, Kakao, Bio-Datteln, Bio-Oliven und Bio-Mandeln. Der ForestFinance Green Bond 20/30 unterstützt den Anbau von Rohstoffen genauso, wie deren Weiterverarbeitung und Veredelung. Der Projektmix besteht aus:

  • nachhaltiger Forstwirtschaft und Kakaoanbau in Panama
  • Bio-Landwirtschaft in Marokko
  • Projektentwicklung von Verpackungsmaterial für flüssige Lebensmittel
  • Verarbeitung von Biomasse zu Bio-Holzkohle

Nachhaltigkeit als Programm
Bei der Projektauswahl richtet sich ForestFinance Capital nach den Green Bond Principles (GBP 2018) und orientiert sich darüber hinaus an den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen. Die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) dienen Unternehmen als Richtlinien, nachhaltig zu handeln. „Wir verpflichten uns, nur Projekte zu finanzieren, die mindestens eines der Sustainable Development Goals positiv beeinflussen und die darüber hinaus den Nachhaltigkeitsprinzipien der ForestFinance Gruppe entsprechen“, erklärt Bernhard Engl und ergänzt: „Die
Einhaltung dieser Nachhaltigkeitsziele und der Green Bond Principles wurden im Rahmen einer Second Party Opinion von imug mit der bestmöglichen Bewertung ‚angemessen‘ bewertet.“

Folgende Projekte wurden für den ForestFinance Green Bond 20/30 ausgewählt:


Karbonisierungsanlagen in Deutschland, Kolumbien und Panama

Karbonisierung ist ein nachhaltiges Verfahren zur Umwandlung von Holz in BioHolzkohle. Durch thermo-chemische Umwandlungsprozesse (Pyrolyse) wird luftgetrocknetes Holz in Abwesenheit von Sauerstoff sehr stark erhitzt. Durch die hohen Temperaturen werden die Bindungen innerhalb der langkettigen Moleküle der pflanzlichen Zellen gespalten und durch den Sauerstoffausschluss wird eine Verbrennung verhindert. So entstehen Bio-Holzkohle sowie ein Synthesegas, welches als Erneuerbare Energie genutzt wird. Das deutsche Unternehmen „Carbonauten GmbH“ plant eine Produktionsanlage für Bio-Holzkohle mit einer Gesamtkapazität von 3.200 Tonnen pro Jahr in Eberswalde (Brandenburg) zu errichten und zu betreiben. Die ForestFinance Capital wird sich an der Gesellschaft beteiligen und ein Gesellschafterdarlehen zur Verfügung stellen. Darüber hinaus plant ForestFinance Capital die Projektierung, den Bau und den Betrieb von zwei weiteren Produktionsstätten zur Erzeugung von Bio-Kohle in Puerto Carreño, Kolumbien und Las Lajas, Panama. Die lokale Weiterverarbeitung von Biomasse wird neue Arbeitsplätze in der Region schaffen und Investoren können am wachsenden und lukrativen Markt für Bio-Holzkohle aus zertifizierten Rohstoffquellen in Deutschland und Europa partizipieren. Die ForestFinance Gruppe verfügt in Panama und Kolumbien über den Zugriff auf die benötigten Holzmengen.

Produktion von bio-zertifizierten Mandeln, Oliven und Datteln in Marokko

Das Prinzip von Agroforst ist simpel: Auf ein und derselben Fläche werden gleichzeitig oder aufeinanderfolgend Bäume und Feldfrüchte angebaut. Wenn Agroforstwirtschaft richtig umgesetzt wird, ist sie eine nachhaltige Form der Landnutzung. ForestFinance Capital verwendet einen Teil der Anleihe über mehrere Jahre für die Aufforstung bzw. die Bewirtschaftung eines landwirtschaftlichen Projektes in Marokko, bei dem ein nachhaltiges Agroforstsystem zur Produktion von Bio-Mandeln, Bio-Oliven sowie Bio-Datteln entstehen wird. Durch die Projekte werden Arbeitsplätze in einer ländlichen Region Marokkos geschaffen.
Mandeln genießen bei Verbrauchern ein gutes Image als natürliches und gesundes Produkt – der Markt für Bio-Mandeln wächst stetig. 130 Hektar Land sind für den Anbau von Bio-Mandeln vorgesehen, die nach den Richtlinien der EU-ÖkoVerordnung bewirtschaftet werden. Zum Ende der Laufzeit der Anleihe soll die produktive Fläche veräußert werden. 2018 startete die Bewirtschaftung von ca. 200 Hektar Land mit Bio-Oliven und 200 Hektar Land mit Bio-Datteln in Marokko. Im Jahr 2025 hat ForestFinance Capital die Möglichkeit, die dann voll produktiven 400 Hektar Land zu übernehmen. Zum Ende der Laufzeit soll das Land mit produktiven Olivenbäumen und Dattelpalmen wieder veräußert werden.

Heimkompostierbare Verpackungen für Flüssigkeiten und Getränke

Ein Ziel der „the nu company GmbH“ besteht darin, bestehende Lebensmittelkonzepte zu überdenken. Gesunde Lebensmittel sollen so einfach und schmackhaft wie möglich angeboten werden, um eine optimale Kombination aus Funktion und Genuss zu schaffen. Die ForestFinance Capital GmbH ist mit 7,5 Prozent am Gesellschaftskapital der the nu company GmbH beteiligt. Zusätzlich erhält das Unternehmen ein Gesellschafterdarlehen, mit dem die Geschäftstätigkeit ausgebaut,
neue Produkte entwickelt und das Projekt „heimkompostierbare Verpackung für Flüssigkeiten“ vorangetrieben wird.

Alle Produkte der the nu company GmbH sind in heimkompostierbaren und damit kunststofffreien Verpackungen verpackt. Eine Verpackung, um flüssige Medien lebensmittelsicher in eine heimkompostierbare Verpackung abzufüllen, existiert derzeit noch nicht. Die technologische Herausforderung besteht darin, ein Material zu finden, das es ermöglicht dem Produkt ein Jahr Mindesthaltbarkeit zu gewährleisten und dennoch bei Kontakt mit Bioabfällen einen Zerfallprozess durchlebt und sich rückstandsfrei in CO2 und H2O abbaut.

Bewirtschaftung von Kakao- und Waldflächen in Panama

Die ForestFinance Capital GmbH wird bis zu 100 Hektar bereits aufgeforstete Kakao- und Waldflächen in den Regionen Bocas del Toro und Darién in Panama von der Forest Finance Panama S.A. übernehmen. Von den 100 Hektar ist etwa die Hälfte mit Kakao bewirtschaftet und generiert bereits Erträge aus dem Verkauf des Kakaos. Das durchschnittliche Alter der Kakaobäume liegt bei ca. acht Jahren. Kakaobäume haben einen Produktionszyklus von 25 bis 30 Jahren. Die anderen rund 50 Hektar Land wurden in den Jahren ab 2010 mit Edelhölzern aufgeforstet und werden fortwirtschaftlich nach modernsten Standards nachhaltig bewirtschaftet. Die Kakaoflächen sollen über die gesamte Laufzeit des Green Bond bewirtschaftet werden, während die Waldflächen nach den derzeitigen Planungen bereits in den Jahren 2021-2022 wiederverkauft werden.

ForestFinance Green Bond 20/30 im Überblick:

Name : ForestFinance Green Bond 20/30
Zinsen : 5,1% Zinsen pro Jahr
Laufzeit : 10 Jahre
Mindestanlage : 1.000 Euro oder ein Vielfaches
Emissionsvolumen : bis zu 25 Millionen Euro
Second Party Opinion : von imug mit Bestbewertung: „angemessen“

Handelsplätze :
ab sofort www.forestfinance-capital.com
ab 09.11.2020 über „Direct Place Tool“ der Frankfurter Börse
ab 01.12.2020 Frankfurter Börse (Marktsegment Green Bond angestrebt)

14 Sep

ForestFinance Green Bond 20/30 – die grüne Anlageklasse

Mit dem ForestFinance Green Bond 20/30 bietet die neu gegründete ForestFinance Capital GmbH, eine Tochtergesellschaft der ForestFinance Gruppe, seinen KundInnen eine ganz neue Anlageklasse. Geschäftsführer Bernhard Engl beantwortet die Fragen von Redakteurin Christine Sommer-Guist.

Wir fangen am besten ganz von Vorn an. Wie kam es zu der Gründung der ForestFinance Capital?

Die ForestFinance Capital GmbH ist im November 2019 durch eine Umbenennung einer bereits existierenden Tochtergesellschaft entstanden. Ihre Aufgabe ist im ersten Schritt die Emission von Kapitalmarktwertpapieren vorzubereiten und durchzuführen. Während der Laufzeit des ForestFinance Green Bond 20/30 übernimmt die ForestFinance Capital verschiedene Tätigkeiten wie Berichterstattung, administrative Aufgaben usw. Bei der Capital laufen die Fäden aus allen Projekten zusammen und hier werden auch mit den Beteiligten Entscheidungen für die Projekte getroffen.  

Was ist ein Green Bond und was das Besondere am ForestFinance Green Bond 20/30?

Ein Green Bond (dt. Grüne Anleihe) ist ein festverzinsliches Wertpapier, das zur Kapitalbeschaffung für Aktivitäten zur Verringerung von Umwelt- und. Klimaschäden dient. Festverzinslich bedeutet, dass Sie als AnlegerIn jährlich nachträglich einen Zins von 5,1 % p.a. auf ihre Anlagesumme erhalten und nach der festgesetzten Laufzeit von zehn Jahren ihr eingesetztes Kapital zu 100 Prozent zurückbezahlt bekommen. Das gesamte Emissionsvolumen beträgt 25 Millionen Euro, wovon insgesamt 24,075 Millionen Euro in insgesamt sieben Projekte während der Laufzeit fließen werden. Die einzelnen Projekte stelle ich etwas später vor.

Um die Einhaltung der internationalen Standards für Green Bonds nachzuweisen, haben wir uns den den Green Bond Principles unterworfen und unseren ForestFinance Green Bond 20/30 durch eine sogenannte Second Party Opinion begutachten  lassen. Dies geschieht in Zusammenarbeit mit der in Hannover beheimateten renommierten Ratingagentur imug.

Bernhard Engl, geschäftsführender Gesellschafter der ForestFinance Capital GmbH, ist Experte für nachhaltige Geldanlagen. Er war acht Jahre Vorstandsmitglied beim Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V. (FNG), hat einen Lehrauftrag an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde und ist Dozent und Referent in verschiedenen Fortbildungslehrgängen im Sektor Nachhaltigkeit. 

Was ist eine Second Party Opinion?

„Eine Second Party Opinion ist – kurz gesagt – die Überprüfung des Konzeptes nach den Green-Bond-Prinzipien durch eine externe Gesellschaft. Nachdem wir uns entschieden haben, die freiwilligen Green Bond Principles für unseren ForestFinance Green Bond 20/30 anzuwenden, haben wir ein Rahmenwerk verfasst, das zusammen mit einer ausführlichen Beantwortung eines Fragenkatalogs die Grundlage für die Erstellung einer solchen Expertise war. Hier finden Sie das Rahmenwerk.

Innerhalb dieses Rahmenwerkes verpflichten wir uns auch jährlich für die zehnjährige Laufzeit des ForestFinance Green Bond 20/30 einen Bericht zu verfassen über den Fortgang der Projekte, die Milestones und die Risiken, die mit den Projekten verbunden sind.

Wie kam es zu der Entscheidung, nach so vielen Jahren an den Kapitalmarkt zu gehen?

Der ForestFinance Green Bond 20/30 ist genau das Kapitalmarktwertpapier, das zu uns passt – zur ForestFinance Gruppe, zu unseren Projekten, zu unserer Vision und unserem Slogan „Wir machen Wald“. Wir können damit unsere Idee vielen Interessenten und AnlegerInnen anbieten und die Möglichkeit geben, ein liquides Wertpapier zu erwerben, das sie – wenn nötig – jederzeit an der Börse wieder veräußern können.

Wir können unseren ForestFinance Green Bond 20/30 im Marktsegment „Green Bond Market“ an der Frankfurter Börse platzieren und somit einem breiten Publikum unsere Idee von Nachhaltigkeit näherbringen. Dazu kommt auch die Tatsache, dass wir mit einer Emission eine gegenüber Direktinvestments größere Summe einsammeln können, um gleichzeitig verschiedene Projekte umsetzen zu können. Das bedeutet für unseren ersten Green Bond insgesamt sieben interessante und innovative Projekte.

Wie grün ist der ForestFinance Green Bond 20/30?

Ich würde behaupten wollen, dass bei uns „Nachhaltigkeit“ groß geschrieben wird und das, was auf dem Produkt draufsteht, auch im Produkt umgesetzt wird, ohne Wenn und Aber! Bei uns gibt es insgesamt sieben Projekte, die teilweise gleichzeitig oder zeitlich versetzt realisiert werden, die einen klaren und eindeutigen Bezug zu unserer DNA als Forest Finance Gruppe haben und deren Umsetzung durch einen Mittelverwendungskontrolleur beaufsichtigt wird. Wir haben uns im Projektteam sehr intensiv und ausführlich mit den einzelnen in Frage kommenden Projekten beschäftigt, das Für und Wieder der unterschiedlichen Projektkategorien diskutiert und sind dann einstimmig zur Überzeugung gekommen, dass die schlussendlich ausgewählten Projekte in der Zusammensetzung unseren Ansprüchen und damit auch den der AnlegerInnen gerecht werden können.

Darüber hinaus werden freie Mittel, die durch den zeitlichen Versatz der einzelnen Projekte entstehen, nur in Wertpapiere mit definierten Nachhaltigkeitskriterien zusammen mit dem Mittelverwendungskontrolleur investiert. Auch haben wir dies bereits im Wertpapierprospekt transparent dargestellt und uns mit anderen Experten ausgetauscht. Wir sind mit Vermögensverwaltern im Austausch über die geeignete und zielführende Anlagestrategie der liquiden Mittel.

Welche Projekte werden mit dem ForestFinance Green Bond 20/30 finanziert?

Wir werden in drei separaten Projekten, an drei verschiedenen Standorten Karbonisierungsanlagen planen, errichten und gemeinsam mit unserem gesellschaftlich verbundenen Partner, der carbonauten GmbH, betreiben. Die Standorte sind das brandenburgische Eberswalde, wo im ehemaligen Walzwerk die Pilotanlage betrieben werden wird (Investitionsvolumen 1,5 Mio. €). Hinzu kommt eine doppelt so große Anlage auf einer Fläche in Las Lajas, die von ForestFinance in Panama bewirtschaftet wird (Investitionsvolumen 2, 566 Mio. €) und zu guter Letzt das größte Werk in Puerto Careño, in der Provinz Vichada in Kolumbien. Auch hier werden Biokohlenstoffe und Strom erzeugt (Investitionsvolumen 5,521 Mio. €).

Was versteht man unter Karbonisierung?

Als Karbonisierung wird ein nachhaltiges Verfahren zur Umwandlung von Holz in Biokohlenstoffe bezeichnet. Bei unserem System werden Reststoffe der Land- und Forstwirtschaft zu Biokohlenstoffen verarbeitet. Dabei wird nachhaltig erzeugte Biomasse im Wege der Pyrolyse zu Biokohle verarbeitet. Das im Prozess entstehende Synthesegas und das ebenfalls entstehende Pyrolyseöl werden thermisch zur CO2-neutralen Energieerzeugung (Wärme und/oder Strom) genutzt. Die hocheffiziente Pyrolyse ermöglicht die Produktion von Biokohlenstoff höchster Qualität und unterschreitet dabei alle geltenden deutschen Emissionsstandards bei weitem (TA Luft, Bundesimmissionsschutzgesetz).

Hierbei wird Holz aus nachhaltiger Quelle unter Sauerstoffabschluss pyrolisiert und zu hochqualitativem Biokohlenstoff, Synthesegas und Pyrolyseöl umgewandelt. Die Biokohle soll dabei stofflich verwertet werden und führt so zu einer Speicherung des darin enthaltenen Kohlenstoffs und damit zu einer echten C-Senke.

Die erzeugte Biokohle wird in unterschiedlichsten Märkten zum Einsatz kommen. Wird sie stofflich genutzt, so führt sie zu negativen Emissionen (sog. NETs, Negative Emissionstechnologien). Wird sie als Energiequelle eingesetzt und ersetzt fossile Brennstoffe, führt das zu CO2-neutraler Energie, da beim Verbrennen nicht mehr CO2 freigesetzt wird als beim Wachsen der Pflanze aufgenommen wurde.

Biokohle hat vielfache Anwendungsbereiche. So kann sie stofflich eingesetzt werden, zum Beispiel als Filtermaterial im Wasserbereich, als Bodenhilfsstoff zum Humusaufbau (Terra Preta), in Superkondensatoren und vielem mehr. In diesen Anwendungsgebieten wirkt die Biokohle CO2-negativ und kann zu tatsächlichen Kohlenstoffsenken führen. Eine Tonne fixierte Biokohle speichert ca. 3,6 Tonnen CO2.

Sie kann aber auch als Biogrillkohle, als „grüner Koks“ zum Ersatz von fossilem Koks wie auch zur Kohlenstoffanreicherung in der Metallurgie und bei der Herstellung von Carbiden (z. B. Silizium) eingesetzt werden. Dann sind sie mindestens CO2-neutral.  

Und die anderen Projekte?

Das vierte Projekt ist die Weiterentwicklung von Wald- und Kakaoflächen in Panama, die bereits seit acht Jahren von der ForestFinance Gruppe bewirtschaftet werden (Investitionsvolumen 3,1 Millionen Euro). Ziel ist es, diese Waldflächen kurzfristig forstwirtschaftlich zu optimieren und die Kakaoflächen langfristig auf Bio-Standard umzustellen. Da diese Umstellung Zeit kostet und wegen ihr in den ersten Jahren mit geringeren Erträgen zu rechnen ist, haben wir uns entschieden, diese Flächen wieder in den Bestand zurückzunehmen und nach neuesten Erkenntnissen und Methoden zukunftsfähig zu machen.

Die beiden investitionsstärksten Projekte fünf und sechs befinden sich in Errachidia, in Marokko, wo die ForestFinance Gruppe seit 2018 aktiv ist. Zum einem werden wir dort im Jahre 2022 etwa 130 Hektar Wüstenboden mit Bio-Mandeln aufforsten (Investitionsvolumen 3,21 Millionen Euro), zum anderem werden wir zum Ende des Jahres 2025 die bereits in der Aufforstung stehenden 400 Hektar Bio-Oliven und Bio-Datteln von der ForestFinance Service GmbH übernehmen und die produktiven Flächen weiter bewirtschaften (Investitionsvolumen 8,2 Millionen Euro).

Auf das siebte Projekt sind wir besonders stolz, da wir in the nu+ company einen innovativen und jungen Partner haben, dem wir im Rahmen eines Gesellschafterdarlehen (Investitionsvolumen 2 Millionen Euro) den finanziellen Background geben, um erfolgreich zu wachsen.

Schon jetzt bietet das Unternehmen innovative Lebensmittel aus Schokolade an und erweitert konsequent das Produktportfolio. Das Unternehmen treibt zum Beispiel das Projekt heimkompostierbare Verpackung für flüssige Medien wie Säfte, Milch und Smoothies  voran. Hier wird über den Tellerrand von reinem Produktangebot hinaus gesehen und an innovativen Lösungen gearbeitet. Darüber hinaus ist eine Zusammenarbeit in Bezug auf die Verarbeitung unseres Bio-Kakaos angedacht, da wir diesen sehr gerne in hochwertigen Produkten verarbeitet sehen wollen und dies ist bei the nu+ company definitiv der Fall.

Wer überprüft, ob die Projekte wirklich umweltfreundlich und gleichzeitig wirtschaftlich erfolgreich sind?

Diese beiden Punkte liegen in der Verantwortung der jeweiligen Betreiber, bzw. der Geschäftsführung der ForestFinance Capital GmbH. Wir haben uns zu Beginn des Projektes „Green Bond“ sehr schnell darauf festgelegt, dass unsere  Projekte immer im Zusammenhang mit den Sustainable Development Goals, kurz SGDs, stehen müssen und alle Projekte einen positiven Impact auf einzelne der 17 Ziele haben müssen. Dies haben wir mit der Auswahl der einzelnen Projekte geschafft und haben das auch im Rahmenwerk für die Second Party Opinion dokumentiert.

Des weiteren haben wir im Team die einzelnen Projekte vollumfänglich betriebswirtschaftlich analysiert und die möglichen zu erzielenden Erträge den eventuell auftretenden Risiken gegenübergestellt. Diese Projekte entsprechen unseren Kriterien der drei Dimensionen der Nachhaltigkeit. Diese beinhalten neben den ökologischen Aspekten – zum Beispiel CO2-Reduktion, CO2-Vermeidung und Aufforstung arider Gebiete – soziale Punkte wie die Schaffung neuer Arbeitsplätze in strukturschwachen Gebieten, Zusammenarbeit mit der indigenen Bevölkerung oder Gesundheitsvorsorge, aber auch ökonomische Gesichtspunkte wie realistische Gewinnerzielungsabsichten und Ausschüttungen in Form von Zinsen an die AnlegerInnen.

Wo und wie kann man den ForestFinance Green Bond 20/30 der ForestFinance Capital erwerben?

Insgesamt gibt es drei Möglichkeiten den ForestFinance Green Bond 20/30 der ForestFinance Capital GmbH (kurz FFC) zu zeichnen: Einerseits über die Website der ForestFinance Capital über eine interaktive Zeichnungsmöglichkeit, zwischen dem 9. und 30. November 2020 über das Direkt Place Tool der Frankfurter Börse. Und anschließend – ab dem 1. Dezember 2020 – kann der ForestFinance Green Bond 20/30 auch direkt über ein Marktsegment an der Frankfurter Börse gezeichnet werden. Es ist eine Notierung im Green Bond Market angestrebt. Voraussetzung für den Kauf des ForestFinance Green Bond 20/30 ist ein vorhandenes Wertpapierdepot bei einem Kreditinstitut. Die Zeichnungsmöglichkeit über die Website der ForestFinance Capital für den ForestFinance Green Bond 20/30 besteht grundsätzlich bis einschließlich 8. Oktober 2021, bzw. bis zur Vollplatzierung unter Berücksichtigung von Stückzinsen.

Darüber hinaus können AnlegerInnen auch nach Auflegung des Wertpapiers am 1. Dezember 2020 unseren ForestFinance Green Bond 20/30 in ihre private Vermögensverwaltung aufnehmen lassen, wenn es zu den Anlagezielen passt. Dies ist in einem Gespräch mit den persönlichen AnlageberaterInnen schnell zu klären.

Für wen ist der ForestFinance Green Bond 20/30 das richtige Investment? Für wen sind Direktinvestments oder Beteiligungen die bessere Option?

Das ist eine ganz schwierige und kaum zu beantwortende Frage. Grundsätzlich sollte sich jede/r Anleger/in Gedanken machen, wo die Investition hingehen soll und was sie bewirken soll. Das ist zwar der für mich wichtigste Aspekt einer Geldanlage, aber nicht der einzige. Die gewählte Geldanlage sollte immer im Gesamtzusammenhang mit allen weiteren bisher getätigten Investitionen gesehen werden. Passt der Zeithorizont zu meinen persönlichen Planungen? Will ich mich im Kapitalmarkt bewegen? Ist ein Green Bond eine sinnvolle Ergänzung meiner bisherigen Anlagestrategie? Verändert diese Investition mein Risiko-/Chancenverhältnis, um nur aus meiner Sicht die wichtigsten Punkte aufzuzählen.

Bei einem Green Bond investiere ich in ein börsenfähiges Wertpapier, das ich jederzeit zu Marktpreisen an der Börse verkaufen und/oder kaufen kann. In unserem Fall investieren die KundenInnen in sieben Projekte und erhalten jährlich eine attraktive Verzinsung. Bei einem Direktinvestment oder auch einer Beteiligung bin ich zeitlich an eine bestimmte Anlagedauer gebunden, investiere im Normalfall in ein Projekt in Form eines Pacht- und/oder Bewirtschaftungsvertrages oder in Form einer unternehmerischen Kommanditbeteiligung mit laufenden Erträgen und erhalte über die Gesamtlaufzeit eine bestimmte Rendite.

Ich kann an dieser Stelle nur den Hinweis geben, den ich übrigens seit meinen ersten Erfahrungen mit dem Börsenparkett in Oktober 1987 immer beherzige, dass ich mir immer Gedanken mache, was soll mein Geld bewirken: Welchen Beitrag leistet meine Investition zum Beispiel für die Verringerung der Klimawandelfolgen oder der ausbeuterischen Kinderarbeit.

Sprechen Sie mit Ihrem/er Finanzberater/-in, egal ob in Ihrem Kreditinstitut oder mit einem/einer  Spezialist/in für Nachhaltige Geldanlagen und prüfen Sie, ob unser ForestFinance Green Bond 20/30 eine für Sie sinnvolle Anlagealternative ist.

Wir bewegen uns mit dem ForestFinance Green Bond 20/30 – und damit auch der/die Investor/-in – im Segment der Nachhaltigen Geldanlagen, das sich nicht nur seit der erstmaligen Auflage einer Bundesanleihe mit „grüner Ausrichtung“  an steigender Beliebtheit erfreut. Wie man dem jährlichen Marktbericht des Forum Nachhaltige Geldanlagen e.V. entnehmen kann, steigt das Gesamtanlage Volumen in diesem Segment stetig an. Übrigens sind wir, die Forest Finance Service GmbH und ich privat, Mitglieder und Förderer des Forums.

01 Mrz

ForestFinance bereitet Green Bond-Emission vor

ForestFinance, der Spezialist für Walddirekt- und Agroforstinvestments, bereitet die Ausgabe eines Green Bonds vor. Zu diesem Zweck wurde die ForestFinance Capital GmbH gegründet. Zu ihrem Geschäftsführer wurde Bernhard Engl berufen, Manager aus der ForestFinance Gruppe mit solider Erfahrung bei nachhaltigen Anlagekonzepten und eng vertraut mit den Kunden und Wünschen der ForestFinance.

„Wir wissen, dass sehr viele Interessenten, die uns schon viele Jahre positiv begleiten, und auch Institutionelle, auf ein Kapitalmarktwertpapier warten. Wir möchten mit dem geplanten Green Bond eine zeitgemäße Möglichkeit schaffen, sich an den Konzepten der ForestFinance Gruppe zu beteiligen“, erläutert Bernhard Engl die Zielrichtung des neuen Anlageproduktes.

Mit einem solchen Angebot möchte das Unternehmen aktuelle Trends und die steigende Nachfrage bei Investoren nach nachhaltigen Anlageprojekten bedienen, die Wirkung erzeugen und wirtschaftlich interessant sind.

ForestFinance Capital wird eine Anleihe emittieren, mit der Anleger verschiedene nachhaltige Projekte in den Bereichen Aufforstung und der Weiterverarbeitung von Ernteerzeugnissen finanzieren. Mit der Anleihe sollen nachhaltige Wertschöpfungsketten entstehen, an denen die Investoren partizipieren.
Bei den bisher angebotenen Direktinvestments der ForestFinance Gruppe wird in die Natur und den Aufbau natürlicher Systeme investiert. Die Anlagehorizonte sind in der Regel langfristig, denn der Hauptteil der Erlöse für die Investoren wird bei nachhaltig bewirtschafteten Mischwäldern erst nach Ablauf von zwölf oder 25 Jahren erwartet.

Jährliche Zinszahlung und Börsennotierung
„Anders als bei Direktinvestments in Mischwald und Agroforst wird der Green Bond so konzipiert, dass mit ihm eine Mischung von verschiedenen Projekten finanziert wird, mit dem Ziel eine moderate, jährliche Auszahlung zu erreichen“, erläutert Bernhard Engl.
Forest Finance Service GmbH Gründer und Geschäftsführer Harry Assenmacher über die Erwartungen an einen Green Bond: „Wir sind sehr gespannt, wie unsere Kunden und zahlreichen Interessenten ein börsennotiertes Anlageprodukt annehmen. Angesichts der stark zunehmenden Nachfrage nach nachhaltigen Finanzprodukten in den vergangenen Jahren gehen wir davon aus, dass viele Beobachter nun zu Kunden werden könnten. Wir glauben mit einem Green Bond genau das Interesse des Marktes zu bedienen.“

Die geplante Anleihe wird die erste Emission der ForestFinance Capital darstellen. Bei erfolgreicher Platzierung sind weitere Wertpapiere geplant.